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Operation gelungen – Patient auf dem Weg der Besserung

Die Operation von Detlef liegt jetzt schon mehr als eine Woche hinter uns. Eine Zeit die es in sich hatte.

5 1/2 Stunden haben die Ärzte an ihm gearbeitet. Sie haben seine Rippen aufgesägt und den Brustkorb geöffnet, aus der rechten Brustseite Venenstücke entnommen, die sie dann für die zwei Bypässe verwendet haben. Um diese ansetzen zu können, wurde dann das Herz angehalten und später wieder reanimiert.

Unglaublich, was die Ärzte leisten und noch unglaublicher, was unsere Körper alles aushalten. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie oft das in den Anfängen dieser Operationen schief gegangen ist. Ich bin froh, dass ein solcher Eingriff heutzutage „Routine“ ist, vielfach durchgeführt, extrem gut weiterentwickelt.

Nach der Operation musste Detlef, wie jeder Bypass-Patient, für ein paar Tage auf die Intensivstation. Dort wurden nicht nur permanent Herzschlag, Atmung und alle anderen Vitalparameter überwacht, er wurde auch noch bis in die Abendstunden des nächsten Tages „schlafen“ gelassen. Erst als seine Blutwerte wieder im grünen Bereich waren, durfte er „aufwachen“.

Ich setze das „aufwachen“ bewusst in Anführungsstriche, denn von wach werden kann im Grunde keine Rede sein. Durch die vielen Schmerzmittel und anderen Medikamente und vor allem durch die Überforderung des Körpers durch die Operation, schlief er weiterhin fast den ganzen Tag. Der einzige Unterschied war, dass dieser Schlaf nicht mehr einem Narkosemittel geschuldet war.

Nachdem er auch am 2. Tag nachmittags konstante Werte hatte, verlegten ihn die Ärzte auf die Zwischenstation. Einer Art Halbintensivstation. Immer noch Vitalwertüberwachung, Sauerstoffzufuhr, Atemüberwachung, Herzschlagbeobachtung, aber kein Komplex piepsender Maschinen mehr.
Und ich konnte ihn endlich besuchen. Nur wenige Minuten, denn er war noch immer extrem erschöpft, aber immerhin. Auch wenn ich bis dahin jeden Tag mit einem der behandelnden Ärzte telefonierte um mich über seinen Zustand zu informieren, ihn selbst zu sehen war dann doch etwas anderes.
Einerseits erleichternd, zu sehen, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht, andererseits auch sehr erschreckend, denn die noch immer notwendigen vielen Kabel und Apparate waren sehr – ich nenne es mal irritierend. Sie ließen ihn so zerbrechlich und krank aussehen. Ja klar, er war und ist ja auch noch immer krank, aber der Eindruck wurde so krass verstärkt dadurch….

Außerdem musste ich feststellen, dass er sehr verwirrt redete. Die paar Worte, die er sprach, waren unzusammenhängend und völlig sinnfrei.

Auch in den nächsten Tagen, blieb er auf dieser Zwischenstation, bis seine Lunge weitestgehend schleimfrei war und die Gefahr einer Lungenentzündung gebannt war.

Als er dann endlich auf die normale Station verlegt wurde, viel mir ein Stein vom Herzen. Es war ein Zeichen, dass er auf dem sicheren Weg der Besserung war. Denn das bedeutete, dass er selbständig und konsequent genug atmete, sein Herz nicht mehr der ständigen Überwachung bedurfte.
Unglaublich, was diese Verlegung an Befreiung mit sich brachte.

In den nächsten Tagen wurden nach und nach Zugänge und Katheder gezogen, Röntgenaufnahmen zur Kontrolle gemacht, die Lunge geröngt, jede Menge EKGs und Blutuntersuchungen gemacht und vorgestern auch endlich die Notfalldrähte entfernt. Diese Drähte führten von der unteren Stelle der Brustnaht zum Herzen, um im Bedarfsfall einen externen Herzschrittmacher anschließen zu können. Glücklicherweise wurden diese nicht gebraucht.

Das einzige was sich hartnäckig hielt, waren die Verwirrungen und Wahnvorstellungen, die ihn plagten. Eine Schwester erklärte mir, dass es sich dabei um das sogenannte Durchgangssyndrom handele, mit dem sehr viele, vor allem Herzpatienten, nach der Operation zu kämpfen haben.
Sie sind dann wie in einem Delirium, können nicht zwischen Wahrheit und Wahnvorstellung unterscheiden, sehen wunderliche Erscheinungen, hören Stimmen und Geräusche, haben Albträume und vieles mehr.
Und auch Detlef konnte keinen klaren Gedanken fassen, verstand nicht, was ich ihm erzählte und nichts was er sagte, machte irgendeinen Sinn.

Doch auch diese Phase haben wir jetzt überstanden. Seit vorgestern wird er zusehends klarer. Gottseidank. Eine Physiotherapeutin übt fleißig mit ihm gehen. Treppauf, treppab. Rechtzeitig Pausen zu machen. Er lernt sich nicht zu überfordern, indem er sich und seine Situation überschätzt. Achtet darauf richtig zu atmen und sich so zu bewegen, dass sein Brustkorb, seine Rippen, wieder gut zusammen wachsen können.

Diese Übungen fordern und erschöpfen ihn, so dass er auch weiterhin viel schläft. Aber das ist ok. Er ist guter Dinge, dass es jetzt jeden Tag ein Stückchen voran geht. Dass er wieder vollständig auf die Beine kommt.

Diese Zuversicht teilen die Ärzte auch.

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