Kunst auf Reisen

Kunst quer durch Europa

Es reißt nicht ab

Eigentlich sollte das Jahr 2020 doch noch besser als 2019 werden. Aber irgendwie bekommt es die Kurve nicht ganz.

Nachdem Detlef ja Freitag vorletzter Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde und glücklich war, wieder bei uns zu sein, machte er gute Fortschritte. Er hielt sich mittlerweile überwiegend in unserer Ivy auf und konnte sogar schon eine kleine Strecke mit Spazieren gehen. Er genoss es mit den Tieren zu kuscheln und einfach nur in seiner Ivy zu sitzen, zu Hause zu sein.

Mittwoch war etwas blass und mehr müde. Er zog sich mehrmals zum ruhen zurück. „Naja, die Operation (es waren sogar 3 Bypässe) ist ja nicht ohne, es werden wohl die Nachwirkungen sein. Mal einen Tag mehr ruhen, dann geht es wieder voran.“

Dachten wir….

Donnerstag Morgen war er müde. Er hatte nicht geschlafen. Kommt ja auch immer mal vor. Er fühlte sich auch zu müde, um zum Arzt zu fahren, dort sollten noch die letzten beiden Fäden der Drainagen gezogen werden.
Das gefiel mir nicht, doch ich redete gegen eine Wand oder wie Ronnys Mama immer sagte, wie mit einem toten Pferd. Es läge wirklich nur daran, dass er nicht geschlafen hätte, versuchte er mich zu überzeugen.
Doch dann kamen mir Ronny und sein Papa zur Hilfe. Sie schimpften mit ihm und drängten darauf, dass er definitiv zum Arzt fährt. Detlef blieb nichts anderes übrig, als klein beizugeben.

Der Ärztin gefiel diese Müdigkeit auch nicht. EKG und Blutdruck waren in Ordnung, doch das Blutbild zeigte viel zu hohe Entzündungswerte. Plötzlich wurde es Detlef auch noch schwindlig, kalt und heiß. Und er war unsäglich müde. Da blieb nur eines: Krankenhaus!
Und somit bestellte die Ärztin wieder einmal einen Krankentransport zum Bwzk für ihn.

Während Detlef dort geröntgt, in die Röhre geschoben und gründlichst untersucht wurde, fuhr ich mit Herbert wieder nach Mertloch um Ivy für die Abfahrt vorzubereiten. Denn wenn Detlef im Krankenhaus bleiben muss, möchte ich ja da in der Nähe sein. Ich füllte Wasser auf, wusch noch eine Maschine Wäsche, drehte mit den Hunden eine Runde, verstaute, verräumte und machte alles, was vor einer Abfahrt notwendig ist.
Um mich von meinem Stresspegel herunter zu holen und meine Gedanken zu beruhigen, luden mich Ingrid und Herbert zwischendurch zum Essen ein. Das tat richtig gut und erfüllte voll und ganz deren Absicht. Ich konnte mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, wieder „funktionieren“.

Ich wollte gerade starten, als der Anruf vom Krankenhaus kam: Detlef hätte eine Lungenentzündung und eine Entzündung der Atemwege. Die Schmerzen im rechten Arm wären noch Nachwirkungen der Operation, die tauben weißen Finger eine Erkrankung, an der man nichts ändern kann, die sich leider, vermutlich durch eines der Medikamente, verschlimmert hat. Allerdings hätte das Bwzk keine Kapazitäten frei, der Oberarzt hätte alles versucht, doch es war kein Zimmer zu bekommen. Nun würde er nach Andernach verlegt…..

Ok. Das bedeutete für mich, zu schauen, wo in Andernach das Krankenhaus ist und ob es dort in der Nähe eine Möglichkeit zum Stehen gibt. Doch dabei war mir das Glück hold: der Wohnmobilstellplatz ist in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses. Das war doch schon mal gut.
Ich kam um 19:30 Uhr in Andernach an. Das Verabschieden von unseren tollen Helfern, Ivys warmlaufen, die nasse kurvenreiche Straße in der Dunkelheit – alles trug dazu bei, dass ich erst spät ankam. Ich stellte Ivy auf dem Stellplatz einfach nur ab und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus.
Dass die Tiere solange in ihren Boxen in der Fahrerkabine bleiben müssen, da war nichts dran zu ändern. Allerdings haben die damit weniger Probleme als ich, denn sie fühlen sich in den Boxen in ihrer Ivy wohl und schlafen.

Im Krankenhaus lag Detlef noch immer – immerhin war er schon seit ca. 18:30 Uhr dort – in der Gangway vor der Notaufnahme. Dort reihten sich die Notfälle aneinander, die Dringlichen wurden vorgezogen.
Um 21:00 Uhr war er endlich dran, um 22:45 Uhr dann auch endlich auf einem Zimmer.
Er bekam direkt Sauerstoff und Infusionen und auch ein Abendessen. Er war nur noch müde. Ich konnte beruhigt gehen.

Für mich war der Tag allerdings noch nicht zu Ende. Die Katzen wollten raus, die Hunde mussten noch eine Runde gehen, ich hatte auch noch nichts gegessen. Ich unterrichtete noch die Jungs und fiel um 1:00 Uhr todmüde ins Bett.

Es ist schon Wahnsinn, was man leisten kann, wenn es notwendig ist. Doch auch wenn ich jetzt Detlef gut versorgt weiß, meine Grenzen sind mehr als erreicht. Denn egal wie müde ich bin, die Hunde brauchen ihren Auslauf (was mir letztendlich ja auch gut tut), einkaufen, meinen täglichen Besuch im Krankenhaus, rund um Ivy dafür sorgen, dass alles läuft.
Dazu die ständigen Schmerzen meiner Arthrose in Sprunggelenk und Fuß, ich fühle mich am Limit.
Es ist nicht so, dass ich in Zeitdruck wäre. Nein. Ich bin einfach mit meiner Kraft an meiner Grenze. Die vergangenen Wochen mit ihren Sorgen und Ängsten und auch den körperlichen Ansprüchen an mich, waren heftig. In der Zeit, in der ich nicht wirke und regele, Detlef besuche, den Ämtern hinterher telefoniere oder mit den Hunden unterwegs bin, bin ich einfach nur müde. Alles tut mir weh…. Rücken, Beine, Füße….. Zum Teil auch psychosomatisch….
Versuche ich zu meditieren, explodiert mein Kopf und ich werde so nervös, dass ich „aggressiv“ werde. Ich bin vollkommen überdreht…. Wie eine Aufziehfigur, deren Schwungfeder zu weit gedreht wurde….

Ich lege trotzdem bewusst Pausen ein und die Füße hoch. Schließe die Augen und atme tief durch, gönne mir guten Tee oder einen leckeren Kakao. Versuche mit frischem Obst, gemischtem Salat und gesundem Essen meinem Körper Gutes zu tun und wieder Kraft zu tanken.

Diese Zeit geht auch vorüber. Das ist mir klar und lässt mich durchhalten. Außerdem weiß ich: Alles was geschieht hat einen Grund!

Also ich würde sagen, unser Jahreslimit an Krankheit und Sorgen ist hiermit dann auch abgearbeitet.
Und dann kann 2020 wirklich noch zum besten Jahr – nein – zum genialen Jahr werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.