Kunst auf Reisen

Kunst quer durch Europa

Alles hat zwei Seiten!

Die eine Seite…..

Man hört nur noch Corona, Klopapier, Hamsterkäufe und gleichzeitig von der Unvernunft, Dummheit, Ignoranz und Uneinsichtigkeit so mancher Mitmenschen. Doch auch wenn Detlef definitiv zu den akut Gefährdeten gehört, gehen unsere Gedanken in eine ganz andere Richtung.

Denn uns selbst zu schützen, das können wir beeinflussen, indem wir uns isolieren. Und das tun wir. Wir stehen alleine auf dem Stellplatz, ich gehe so wenig wie möglich einkaufen, wir treffen uns nicht mit der Familie, halten soviel Abstand zu Allem und Jedem, wie es nur geht. Wir setzten uns in Sonne und frische Luft und essen sehr viel Obst und Gemüse, um unser Immunsystem zu puschen.
Klar tut es uns unglaublich leid, dass wir unsere kleine Maus nicht besuchen können, obwohl wir so nah sind, doch das Risiko ist einfach zu groß. Und weil aufgrund der Herzoperation und der Lungenentzündung, der Virus für Detlef tödlich sein kann, haben wir uns von Anfang an freiwillig Abstinenz verordnet.

Und wir sind dankbar. So sehr dankbar, dass wir sonst „keine Sorgen“ haben. Dass Detlef nicht mehr in Kliniken ist, sondern vor Corona zu Hause war. Dass wir jederzeit zu Essen, zu Trinken und ein Dach über dem Kopf haben. Oder das wir deutsche Gesundheitssystem im Rücken haben, und auch nicht noch zusätzlich mit Erdbeben oder gar Bomben zurecht kommen müssen.
Ehrlich gesagt auch, dass wir keine Handwerksunternehmen mehr haben, um deren Überleben wir jetzt kämpfen müssten.

Denn unsere Gedanken sind bei unseren Freunden. Zum Beispiel bei denen, die selbständig sind. Die gerade nicht wirklich wissen, wie es weitergeht. Sei es die Freundin, die ein Cafe hat und nicht weiß, wie sie über die Runden kommen soll. Oder der Freund, der eine Bäckerei mit Cafe und Filialen führt und Kurzarbeit anmelden musste, der Baustellen vor der Tür gerade noch „überlebt“ hat, dem Corona jetzt die letzte Kraft raubt. Ich denke an meine „Seelencafes“, deren Inhaberinnen jetzt schließen oder mit dem Lieferverkauf versuchen zu retten was geht.

Es gibt so viele Unternehmer/innen in unserem Freundes- und Bekanntenkreis, die nicht wissen, ob oder wie sie die nächsten Monaten überstehen werden. Die ihrem Verantwortungsgefühl für ihre Angestellten nicht mehr nachkommen können. Und dabei spielt es keine Rolle, ob der Betrieb von ihnen aufgebaut wurde oder seit Generationen besteht. Es kostet sie soviel Kraft, stürzt sie in Verzweiflung und Not. Keiner von ihnen weiß, was die zugesagte Unterstützung der Regierung bringen wird. Ob diese überhaupt bei ihnen, den kleinen Handwerksunternehmen, ankommt. Und vor allem, ob sie, wenn sie die Zeit irgendwie überstehen, wieder auf die Beine kommen und dann noch noch die Kraft haben, noch einmal durchzustarten.

…. und trotz allem gibt es auch eine andere Seite!

Die Seite der Natur und dass alles auch irgendwie etwas Positives mit sich bringt. Denn nach Corona wird nichts mehr so sein wie vorher. Davon sind wir überzeugt.
Schon jetzt kann man die Veränderungen in der Natur feststellen, die sichtbar aufatmet. Ob es das klare Wasser in Venedigs Kanälen sind, Delfine in Hafen, der superblaue Himmel ohne Wolken, das veränderte Ozonloch, die drastisch reduzierte Luftverschmutzung in den Metropolen der Welt, die Flüsse, die teilweise klarer sind. Aber auch die Stille, die unglaublich gut tut.
Und die Menschen werden, die mit Corona verbundene Entschleunigung zu schätzen lernen. Dass sie jetzt Zeit für Sachen haben, die sonst im Alltag untergingen. Die ihren Hobbys / Interessen jetzt nachgehen und die dadurch eine ganz andere Wertigkeit erlangen. Die Zeit mit ihren Familien verbringen, mehr Zeit als je zuvor. Eine Zeit, in denen Gespräche stattfinden können, in denen man sich sogar besser kennen und verstehen lernen kann.
Und auch ein Umdenken wird stattfinden. „Not macht erfinderisch!“ – das ist schon lange bekannt.
Es werden Unternehmenszweige weiterentwickelt werden, neue Ideen entstehen. Und so mancher, der jetzt in Not gerät, erkennt die Chance zur Umorientierung. Anderen wird eine Entscheidung abgenommen werden, die sie vielleicht schon lange vor sich her schieben und die sie im Nachhinein befreit. Wer weiß….

Und vielleicht bleibt das Lernen von Umsichtigkeit, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft bei so manchem Menschen haften. Womöglich zieht der Umgang mit reduzierten Ressourcen auch mehr Achtsamkeit und ein besserer Naturschutz nach sich.
Ein Erkennen, dass wir nur diese eine Welt haben und vor allem nur diese eine Leben.

Wir wünschen allen, dass sie diese schwierige Zeit gut überstehen und schicken allen Freunden und Bekannten ganz viel Kraft und Liebe.

Unser Dank gilt auch allen, die unser System am Laufen halten. Es bleibt zu wünschen, dass gerade diese Berufe ab sofort mehr Anerkennung und vor allem auch mehr Entlohnung bekommen. Auch das wäre eine schon lange überfällige Veränderung, die Corona mit sich bringen könnte….

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